FAQ - Ihre Fragen zu Nachhaltigkeit und regenerativem Tourismus

Wir machen doch schon vieles nachhaltig warum reicht das nicht?
Nachhaltigkeit ist die Grundlage für einen zukunftsfähigen Tourismus, und viele Betriebe setzen längst wichtige Maßnahmen um. Regenerativer Tourismus baut auf diesem Fundament auf, indem er fragt, was wir der Region zurückgeben können. Dabei geht es nicht um mehr Aufwand, sondern um bewusstes Weiterentwickeln, von dem letztendlich viele profitieren – durch zufriedenere Gäste und gute Beziehungen mit unseren Leistungsträger:innen und Partner:innen.

Was bringt mir das als Betrieb – mehr Aufwand oder echte Vorteile?
Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet oft: effizienter wirtschaften, regionale Partner stärken und für Gäste attraktiver werden. Nachhaltiger und regenerativer Tourismus senkt langfristig Kosten und macht Betriebe widerstandsfähiger. Energieeffiziente Maßnahmen sparen Strom und Heizkosten. Regionale Kooperationen stärken lokale Wirtschaftskreisläufe und reduzieren Abhängigkeiten. Förderungen und finanzielle Anreize helfen bei der Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen.

Was kann ich als kleiner Betrieb beitragen?
Eine ganze Menge! Kleine Betriebe sind oft näher dran an der Region, den Menschen und ihren Gästen. Schon einfache Schritte, wie die Zusammenarbeit mit lokalen Produzent:innen und Partner:innen, haben eine große Wirkung. Und: Kleinere Betriebe sind oft schneller in der Umsetzung als große Strukturen.

Gibt es einfache Maßnahmen, mit denen ich anfangen kann?
Ja, viele sogar. Es muss nicht alles auf einmal geändert werden. Möglichkeiten sind z.B. mit mehr Regionalität beim Frühstück oder klarer und transparenter Kommunikation über das, was bereits getan wird, zu starten. Im Praxisleitfaden für Betriebe werden sich einfache Ideen zu dem Thema wiederfinden.

Wie kann ich meinen Betrieb Schritt für Schritt nachhaltiger gestalten?
Wir empfehlen, mit einem klaren Überblick zu starten und sich einmal selbst die Frage zu stellen: Wo stehen wir als Betrieb? Was ist schnell umsetzbar? Wo brauchen wir Hilfe? Auch hierzu bieten unsere Gastgebercoaches Unterstützung an und auch der Praxisleitfaden für Betriebe liefert konkrete Hilfestellungen

Brauche ich eine Zertifizierung?
Die einfache Antwort ist: Jein. Zertifizierungen kommen aus der Industrie. Sie sind ursprünglich für große, wenig transparente Unternehmen gemacht worden, um dem Verbraucher, aber auch Partnern und Kunden zu ermöglichen, eine externe, neutrale Meinung zur Qualität von Produkten oder Prozessen zu erhalten. So entstanden auch im Bereich Umwelt erste Zertifizierungen und heutzutage gibt es eine Reihe an Zertifizierungen, die einem Betrieb, einer Organisation oder eben ganzen Destinationen ihren aktuellen Stand in der Nachhaltigkeit in allen drei Säulen (Umwelt, Soziales und Wirtschaft) bestätigen. Wichtig zu verstehen ist: Nicht-zertifizierte Unternehmen sind nicht automatisch weniger nachhaltig. Eine Zertifizierung kann aber dazu beitragen, Nachhaltigkeit systematischer entlang anerkannter Standards zu entwickeln. Für einige Betriebe, insbesondere im MICE-Bereich oder wenn der Betrieb einen hohen Geschäftsreiseanteil hat, macht eine Zertifizierung Sinn. Bei Destinationen ist eine Zertifizierung oft Ausgangspunkt einer nachhaltigen Entwicklung. Wir sind der Auffassung, dass Zertifizierung rein die Anerkennung der Nachhaltigkeitsleistung darstellt. So eingesetzt und wenn ernst gemeint umgesetzt, macht Zertifizierung immer Sinn.

Warum kümmern wir uns um nachhaltigen UND regenerativen Tourismus?
Nachhaltiger Tourismus will negative Auswirkungen möglichst gering halten und ein Gleichgewicht zwischen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft herstellen, in dem positive Faktoren gestärkt werden. Regenerativer Tourismus geht das Ganze von einer anderen Perspektive an: aktiv gestalten und mehr zurückgeben, als nehmen – für Natur, Menschen und Orte. Nachhaltigkeit ist lange etabliert und ist das „neue Normal“, der „Nullpunkt“ eines Qualitätstourismus. Regeneration zeigt in die Zukunft. Da müssen wir hin. Da sind sich Wissenschaft und Zukunftsforscher einig.
Das heißt konkret: Wir verstehen diese regenerativen Prinzipien als Grundsatz unserer Arbeit.

_  Umwelt schützen u. Gemeinwohl stärken: Ressourcen (z.B. Wasser, Energie) bewusst einsetzen und faire Bedingungen schaffen
_  Langfristig denken: Nicht nur kurzfristig wirtschaften, sondern tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln
_  Fortschritt neu messen: nicht nur „mehr“, sondern „besser“
_  Den Menschen als Teil der Natur begreifen: ein Tourismus, der mit der Natur arbeitet, nicht gegen sie
_  Verbindungen schaffen: Nachhaltigkeit nicht isoliert als Checkliste sehen, sondern vernetzt denken
_  Strategisch statt oberflächlich handeln: nicht nur „Dinge richtig tun“ sondern „die richtigen Dinge tun“
_  Chancen erkennen und aktiv gestalten: zukunftsfähige Maßnahmen mit Kreativität und Mut umsetzen

Kurz gesagt: mit regenerativem Tourismus als Mission für Niederösterreich geht es nicht nur ums Bewahren, es geht um das gezielte Stärken und Mitgestalten einer guten Zukunft für das Tourismusland Niederösterreich, den Wirtschaftsstandort Niederösterreich und den Lebensraum Niederösterreich.

Ist ein regenerativer Tourismus überhaupt realistisch für kleine Betriebe oder ländliche Regionen?
Ja, gerade dort! Kleine Betriebe und ländliche Regionen haben oft einen natürlichen Vorteil: Nähe zur Natur, starke regionale Netzwerke, gelebte Kultur und persönliche Beziehungen zu Gästen. Regenerativer Tourismus bedeutet nicht, alles umzukrempeln. Es geht darum, bewusst mit dem zu arbeiten, was schon da ist: regional einkaufen, Natur erhalten, mit lokalen Partner:innen kooperieren. Auch kleine Maßnahmen machen hier einen großen Unterschied. Und: Wer nah dran ist, kann oft schneller handeln und authentischer kommunizieren.

Welche Unterstützung bietet die Niederösterreich Werbung oder meine Destination?
Die Niederösterreich Werbung und die Destinationen begleiten ihre Partner:innen und Betriebe mit Wissen, Tools und persönlicher Unterstützung. Praktische Links für Partner:innen und Betriebe werden derzeit erarbeitet und demnächst auf der Website bereitgestellt.

Wie kann ich mein Engagement kommunizieren, ohne Greenwashing-Vorwürfe zu riskieren?
Indem wir immer ehrlich bleiben. Wir zeigen, was wir tun – auch wenn es noch nicht perfekt ist. Gäste schätzen Echtheit mehr als große Versprechen. Am besten: einfach erklären, warum wir etwas machen und was wir als Nächstes vorhaben.

Was ist das Ziel? Sollen wir alle „regenerativ“ werden?
Klare Antwort ist unserer Meinung nach: Nein. Denn das wäre schlichtweg unmöglich. Regeneration ist nicht zu 100% sofort umsetzbar. Es ist kein finales Ziel. Es ist eine Art zu wirtschaften, zu handeln, zu denken und miteinander umzugehen. Geht es also um Ankommen oder um „regenerativ“ werden? Nein, denn das ist in unserem derzeitigen Wirtschaftssystem gar nicht möglich.

Wird Niederösterreich nun als ein regeneratives Reiseziel beworben?
Nein. Wir verstehen regenerativen Tourismus aktuell als strategische Ausrichtung und gemeinsamen Lernprozess. Das heißt: Wir wollen nicht mit großen Schlagworten werben, sondern die Werte und Prinzipien von regenerativem Tourismus ehrlich leben und Schritt für Schritt in die Praxis bringen – gemeinsam mit den Betrieben, Regionen und Partner:innen. Wenn wir das tun, spüren es die Gäste – nicht durch einen neuen Slogan, sondern durch echte Erlebnisse, authentische Angebote und eine klare Haltung. Regeneration ist also kein Marketing-Label, sondern eine Richtung, die wir gemeinsam gehen.